»BITTE NIMM UNS MIT NACH EUROPA«

Zekarias Kebraeb - ein mutiger junger Mann, der den vielen Geschichten rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte ein Gesicht gegeben hat, informativ und zugleich bewegend.

 

»BITTE NIMM UNS MIT NACH EUROPA«, SCHRIEN WIR ALS KINDER IN DEN BLAUEN ASMARA-HIMMEL, WENN WIR FLUGZEUGE FLIEGEN SAHEN.“

 

"Damals war ich 5 Jahre alt, 1990, kurz vor dem Ende des dreißigjährigen eritreisch-äthiopischen Krieges. Unsere Stadt war abgeschlossen von der Welt, wir hatten Hunger und sangen mit Michael Jackson »We are the world«. Im Krieg wollte ich überleben, jetzt will ich frei sein. Frei denken, frei leben. Und keinen lebenslangen Wehrdienst leisten, zudem uns die Militärdiktatur unseres Landes nach dem Abitur zwingt. Weil es kein Wehrdienst, sondern Sklavendienst ist.“ Mit 17 Jahren kehrte Zekarias Kebraeb der Militärdiktatur den Rücken und begab sich auf die gefährliche Reise nach Europa, oder ins „Paradies“, wie er es nannte.

 

Beindruckend und schonungslos berichtete Zekarias, wie er eines Tages einfach aufbrach, ohne Vorwarnung, ohne Verabschiedung. Er erzählte von seinem gefährlichen Weg aus Asmara an die nördliche eritreische Grenze, durch die Wüstenstaaten Sudan und Libyen (25 Menschen eingepfercht auf 7m² offener Ladefläche eines Pickup!) bis zum Mittelmeer, das er zusammen mit weiteren Flüchtlingen bei Unwetter auf einem kleinen Kahn überquerte. Ständige Todesangst, die Willkür der Schlepper, Hunger, Durst, große Wetterextreme und Krankheit begleiteten seine Reise ins „Paradies“, das sich schließlich nur als Beginn einer weiteren Odyssee entpuppen sollte. Kalabrien, Mailand, Lugano, Zürich, Oldenburg, Lübeck, Zirndorf bei Nürnberg – um nur einige Stationen zu nennen.

Er berichtete vom europäischen Behördenwahnsinn, dem sich „Illegale“ stellen müssen, von der Ohnmacht, der Angst vor Abschiebung, der lähmenden Langeweile im Lager zu der man verdammt wurde, der Verzweiflung am „Paradies“ und letztlich an sich selbst.
Zekarias Kebraebs bewegende Geschichte fesselte jeden unserer Schüler. Im Anschluss an die Lesung beantwortete er die Fragen der Zuhörer – gesellschaftspolitischer, landeskundlicher und sehr persönlicher Natur. (hoz).